Wichern 2008
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Thesen zum Löhe-Jahr


Löhes Wirken – heutige Verpflichtung
Löhe-Jahr 2008

Der 200. Geburtstag Wilhelm Löhe bietet Anlass, sich an den Gründer der Diakonie Neuendettelsau und dem bedeutendsten Vertreter der bayerischen Diakonie im 19. Jahrhundert zu erinnern.
Die Leistungen Wilhelm Löhes, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus bescheidensten Mitteln das bayerische diakonische Zentrum schuf, sollen und in diesem Jahr verstärkt ins Gedächtnis gerufen werden. Was können wir heute von Löhes Wirken, von seinen Ideen, Überzeugungen und Taten nutzen. Wie wirken diese in die Gegenwart und die Zukunft. Die folgenden Aussagen sollen dies verdeutlichen und aufzeigen, dass Löhe auch heute Bedeutung für Diakonie und diakonisches Handeln besitzt.


Löhe, der Visionär
Löhe gründete in der Mitte des 19. Jahrhunderts die erste bayerische Diakonissenanstalt im ländlichen Raum. Von Neuendettelsau aus sollte eine über Bayern hinausgehende diakonische Bewegungventstehen. Löhes Weg stellte ein großes Wagnis dar. Konnte er ausreichend Unterstützung im ländlichen Neuendettelsau bekommen? Löhe wählte diesen Weg und war sich der Problematik bewusst. Durch seinen Tatendrang und seine Ideen verwirklichte Löhe in Neuendettelsau sein diakonisches Konzept. Löhe legte den Grundstein für soziales Handeln aus dem evangelischen Glauben heraus. Seine Vision war es, Menschen aktiv zu helfen, um sie für den evangelischen Glauben wieder zu gewinnen.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb: Initiativen entwickeln – Neue Wege beschreiten.

Löhe, der Helfende
Löhe nahm die sozialen Probleme seiner Umgebung deutlich war. Die ländliche Massenarmut grassierte auch in Löhes fränkischer Heimat. Die soziale Problematik der beginnenden Industrialisierung war ihm durch seine Heimatstadt Fürth und seinen Kontakten zu Nürnberg bekannt, durch intensive Zeitungslektüre kannte Löhe zudem die sozialen Nöte der Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Mit der Errichtung erster kleiner diakonischer Einrichtungen und 1854 durch die Gründung der ersten bayerischen Diakonissenanstalt in Neuendettelsau verwirklichte Wilhelm Löhe konkrete Hilfsmaßnahmen für kranke, arme und sozial schwache Menschen. In den verschiedenen Einrichtungen, die von überregionaler Bedeutung wurden, konnte Menschen geholfen werden.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb: Aktive Hilfe leisten – Diakonische Maßnahmen umsetzen.

Löhe, der Ökonom
Wilhelm Löhe behielt bei all seinen Projekten und Initiativen die Machbarkeit im Blick. Der Umgang mit den ihm anvertrauten finanziellen Ressourcen und der sinnvolle Einsatz derselben waren eine primäre Voraussetzung für sein diakonisches Handeln. Die wirtschaftlichen Grundlagen und Kenntnisse vermittelte er auch an Dritte, insbesondere den Trägerinnen seiner diakonischen Arbeit, den Neuendettelsauer Diakonissen. Keine Diakonisse wurde in das Berufsleben entlassen, ohne entsprechende Kenntnisse über das Rechnungswesen erlangt zu haben. Durch sein Handeln hatte sich in Neuendettelsau nicht nur ein geistliches diakonisches Zentrum, sondern auch ein sichtbares diakonisches Zentrum, mit Krankenhäusern, Waisenhaus, Behinderteneinrichtungen und Ausbildungsstätten entstanden.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb: Ressourcen nutzen – verantwortlich wirtschaften.

Löhe, der Lutheraner
Löhes Aktivitäten kamen aus seinem tiefen Glauben heraus. Im Mittelpunkt seines Lebens stand die Verbindung zu Gott, symbolisiert durch das Abendmahl. So konnte für Löhe Diakonie nur vom Altar ausgehen. In all seinem Handeln und Wirken vertraute er auf die Hilfe Gottes. Im lutherischen Bekenntnis sah er den rechten Glauben. Diese Überzeugung vertrat Löhe Zeit seines Lebens.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb: Glauben bezeugen – evangelisch handeln.

Löhe, der Unbequeme
Löhes theologische Haltung und seine diakonischen Aktivitäten eckten aber auch an. Nicht in allen kirchlichen und politischen Kreisen waren die Initiativen Löhes inhaltlich anerkannt. Löhe sprach Missstände an. Seine kritischen Anmerkungen in kirchenpolitischen Angelegenheiten, seine betont christliche Auslegung von Diakonie und Innere Mission wurden oftmals von dritter Seite aus kritisch betrachtet und kommentiert. Löhe lies sich von seinem Weg nicht abbringen und verwirklichte seine Vorstellungen.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb: Unbequemes ansprechen – Lösungen anbieten.

Löhe, der Internationale
Das Wirken Wilhelm Löhes blieb nicht auf seine fränkische Heimat begrenzt. Er unterstütze auch den Aufbau diakonischer Arbeit in anderen Regionen, so etwa im Baltikum, Bessarabien oder in Nordamerika. Dabei war es ihm wichtig zu zeigen, dass äußere Mission immer mit innerer Mission verbunden sein musste. Durch das Vorbild der christlichen Nächstenliebe sollte der evangelische Glaube wahrgenommen und angenommen werden. Die Wichtigkeit und die Bedeutung des Aufbaues von internationalen Netzwerken und der Verbreitung des sozialen Know Hows standen im Blick Löhes.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb: Vernetzt denken - International engagieren.

Löhe, der Pädagoge
Löhe sah die Missstände in der Ausbildung im 19. Jahrhundert. Gerade jungen Frauen waren von der nachschulischen Weiterbildung ausgegrenzt. Dieses Potenzial nutze Löhe, indem er die Ausbildung zur Diakonisse auch Frauen öffnete, welche nicht den Berufswunsch Diakonisse hegten. Mit den in Neuendettelsau errichteten Ausbildungsstätten bot Löhe eine fundierte Weiterbildung an. Dabei verknüpfte er theoretische und praktische Ausbildung. Über die Bildung versuchte Löhe den Menschen eine gesicherte Zukunft anzubieten.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb: Bildung ermöglichen – Zukunft anbieten.

Löhe, der Seelsorger
Wilhelm Löhe blieb Zeit seines Lebens Pfarrer in Neuendettelsau. In Neuendettelsau führte Löhe nicht nur in der Diakonissenanstalt ein reiches spirituelles Leben ein. Er fühlte sich seiner Gemeinde verpflichtet und nahm das Amt intensiv wahr. Die Beichte und das Heilige Abendmahl standen im Mittelpunkt. Impulse für die gesamte Kirche gingen von Löhes „Schmuck der Heiligen Orte“, Löhes Schrift über Paramentik, aus. Heute zeigen die Tageszeitengottesdienste oder die Arbeit der Paramentik den intensiven Bezug Löhes zu Seelsorge und Spiritualität.

Für die Diakonie Neuendettelsau bedeutet heute die Erinnerung an Wilhelm Löhe deshalb:
Spiritualität anbieten – Spiritualität erleben.

Weitere Informationen über die Diakonie Neuendettelsau finden Sie unter
www.diakonieneuendettelsau.de